Welpenerziehung

 

Für einen hohen Anteil der mir vorgestellten Hunde mit Fehl- und Problemverhalten liegt die Ursache in sog. Welpenspielgruppen, je nach Zusammensetzung der Gruppe und Management der gezeigten Verhaltensweisen unter den Welpen durch den Halter / den Trainer. Viele Welpen werden sich in solchen "Spielstunden" regelmäßig selbst überlassen, sollen lernen, sich eigenständig (ohne Einbezug des Halters) in bestimmten Situationen untereinander und gegenüber fremden Menschen zu behaupten. Dies kann genau das Gegenteil dessen zur Folge haben, was man sich für seinen Hund erhofft: Ausblenden der menschlichen Bezugsperson anstelle von Bindung und Vertrauen in den Halter. Nichts einzuwenden ist gegen kleine, homogene Gruppen (der Altersunterschied ist nicht zu groß und die Tiere haben in etwa die gleichen körperlichen Voraussetzungen), in denen die Welpen kontrolliert interagieren.

Naturbedingt handeln Hunde ergebnisorientiert. Da kann es schnell passieren, dass mögliche Ressourcen wie Beute (Spielzeug), Futter, Revier und auch der Mensch unter Aggression verteidigt werden. Bei Welpen vielleicht noch "süß" anzuschauen, wenn sie um den Ball raufen, ist das ein paar Monate weiter alle andere als ungefährlich, wenn unter bestimmten Voraussetzungen aus dem Spiel Ernst werden kann... innerartliche Auseinandersetzungen, deren mittelbare Folgen mitunter zunächst nicht absehbar sind. Daher ist hier die Kontrolle des Spiels in der Gruppe und ein verlässliches Management durch den Menschen wichtig, damit der Welpe schon früh lernt, dass der Schutz der Ressourcen und die Sorge für den Schutz der Sozialgemeinschaft "Mensch-Hund" Aufgabe des Menschen ist, und der Hund sich hierauf jederzeit verlassen kann.

Gerade beim Thema "Welpenschutz" gibt es vielerorts Aufklärungsbedarf. Dieser Schutz bezieht sich zunächst ausschließlich auf Welpen im eigenen Rudel, womit nicht der Familienhausstand gemeint ist, in den hinein ein Welpe adoptiert wird. Rudel bezeichnet hier wirklich den Verband von blutsverwandten Eltern- und Jungtieren. Der Begriff Welpenschutz wird von Hundehaltern immer noch häufig benutzt, um damit auszusagen, dass Welpen bei älteren Hunden eine gewisse "Narrenfreiheit" haben, von diesen niemals angegriffen oder verletzt würden. Diese Toleranz stellt sich für den menschlichen Beobachter als Form besonderer Zurückhaltung dar. Es ist mittlerweile bekannt, dass es einen Welpenschutz in dieser Form nicht gibt. Nur im eigenen Rudel genießen Welpen eine gewisse Toleranz oder bei Hunden, die an Welpen gewöhnt sind. Eine generelle Beißhemmung zum Schutz von Welpen kann man beim Hund nicht voraussetzen. In der freien Wildbahn würden Mütter fremde Tiere niemals an ihre Welpen heranlassen, fände also nie ein Kontakt von Welpen zu rudelfremden Tieren statt. Wolfsrudel würden natürlicherweise jeden Kontakt zu anderen Rudeln und so mögliche Streitigkeiten vermeiden.

Viel wichtiger noch als die Artgenossenkontakte ist für den Welpen beim Einzug in sein neues Heim die Sozialisation auf seinen Menschen. Um Sicherheit zu bekommen, braucht er hier von Anfang an klare Regeln. Es ist notwendig, ihm in den ersten Wochen so viel wie möglich zu zeigen, vor allem aber, ihn in neuen Situationen nie allein zu lassen. So lange Sie positiv und ohne Zwang mit ihm arbeiten, werden Sie den Welpen kaum überfordern. Obwohl der Hund sein ganzes Leben lang lernt, macht er doch in den ersten Wochen seines Lebens die prägendsten Erfahrungen. Je positiver seine Erfahrungen - gemeinsam mit Ihnen - in dieser kurzen Zeitspanne sind, desto größer die Chance, dass sich ihr Hund später zu einem wesensfesten und sourveränen Partner an Ihrer Seite entwickelt.

Ich berate Sie gerne vor dem Kauf und / oder helfe Ihnen bei der Erziehung Ihres neuen Familienmitgliedes.

 

 

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